Vitamine sind lebenswichtige, organische Substanzen, die der menschliche Körper, von wenigen Ausnahmen (Vitamin D, H und K kann der Körper selbst herstellen) abgesehen, nicht selbst erzeugen kann. Sie werden von höheren Pflanzen, in einigen Fällen auch von Bakterien, zum Beispiel denen des Darmes, gebildet. Vielfach nehmen wir nicht die Vitamine selbst auf, sondern ihre Vorstufen, die Provitamine. Aus ihnen baut unser Körper die entsprechenden Vitamine auf. Sie beeinflussen und regulieren schon in geringen Mengen entscheidend die Stoffwechselvorgänge, weil sie oftmals Bestandteile von Enzymen sind. Vitaminmangel kann zu schweren Mangelerkrankungen führen. Besonders Kleinkinder, Heranwachsende und Schwangere können hiervon betroffen werden. Für den menschlichen Körper sind etwa 15 Vitamine lebensnotwendig. Im allgemeinen nehmen wir sie mit einer abwechslungsreichen, gemischten Kost zu uns. Alle Vitamine sind in ihrer chemischen Struktur bekannt und lassen sich künstlich herstellen. Vitamine werden im Körper gespeichert, so dass er Schwankungen ausgleichen kann.
Man unterscheidet Wasserlösliche und fettlösliche Vitamine:
Vitamin A (Retinol und 3-Dehydroretinol, Retinal und
Retinsäure):
Fettlösliches Vitamin, das auch in Form seines Provitamins (Beta-Carotin)
aufgenommen werden kann. Zur Resorption im Darm sind Gallensäuren notwendig.
Retinol kann als Fettsäureester in der Leber in großen Mengen gespeichert und
durch Esterase wieder freigesetzt werden; im Blut an Alpha-1-Globulin gebunden.
Längeres Kochen, sowie Sauerstoff und Licht können es völlig zerstören. Bei dem normalen Kochvorgang sinkt der Vitamingehalt etwa um ein Drittel.
Wirkungen:
Vitamin A bildet zusammen mit dem Protein Opsin das Sehpigment Rhodopsin, das in
den Stäbchen und Zapfen des Auges eine wesentliche Rolle beim Sehvorgang spielt
(vor allem in der Dämmerung und bei Nacht). Es sichert weiter den Aufbau und
das normale Funktionieren der äußeren Haut aber auch der inneren Haut. Neueste
Forschungen scheinen zu bestätigen, daß Beta-Karotin geeignet ist, vor
Herzinfarkten und Krebs zu schützen.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Lichtscheu, verminderte Sehschärfe in der Dämmerung, Nachtblindheit, trockene,
verhornte Haut und Schleimhäute, entzündete Bindehäute, glanzlose Haare und
brüchige Fingernägel. Bei Heranwachsenden kann es zu Wachstumsstörungen
kommen.
Überschuss (Hypervitaminose):
Zuviel Vitamin A rufen Vergiftungserscheinungen hervor, sie reichen von
Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen bis Haarausfall. Vitamin A als Betacarotin,
also seinem Provitamin aufgenommen, schließt eine Überdosierung aus, da es
ungiftig ist.
Vitamin B1
(Thiamin, Aneurin)
Vitamin B1 ist Baustein eines Coenzyms, das die im
Kohlenhydratstoffwechsel in Schlüsselstellung befindliche Brenztraubensäure
zusammen mit weiteren Vitaminen umformt. Eine Anhäufung von Brenztraubensäure
im Organismus hat schwere Störungen des Zentralnervensystems und der
Herzfunktion zur Folge.
Wirkungen:
Fördert den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel sowie den Alkoholabbau.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Anzeichen hierfür sind Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Verstopfung, Gedächtnis-
und Konzentrationsstörungen, Nervenkrankheit Beri-Beri.
Überschuss (Hypervitaminose):
Ein Überschuss kann nur durch Medikamente zustande kommen. Die Nerven reagieren
dann überempfindlich auf jeden Reiz.
Vitamin B2 (Komplex aus Riboflavin, Nicotinsäure,
Pantothensäure und Folsäure)
Dieses Vitamin ist Notwendig für den Abbau von Fett und Eiweiß.
Wirkungen:
Ribovlavin ist am Sehvorgang und an Oxidationsvorgängen in allen Geweben
beteiligt.
Nicotinsäure siehe Vitamin PP.
Pantothensäure dient im Organismus dem Aufbau des für den Stoffwechsel wichtigen Coenzyms A. Es sind weder Mangel- noch Überschusserscheinungen bekannt.
Folsäure siehe Vitamin M.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Da diese Stoffe in den meisten pflanzlichen so wie auch in tierischen
Nahrungsmitteln vorkommen, sind Mangelerscheinungen sehr selten. Rissige Lippen
und Mundwinkel können Vitamin B2-Mangel
anzeigen. Weitere Anzeichen können sein: Trockene, entzündete Haut, brennende,
juckende Augen und Lichtscheu.
Überschuss (Hypervitaminose):
Nicht bekannt.
Vitamin B6 (Pyridoxin)
Pyridoxin umfasst drei Wirkstoffe (Alkohol, Aldehyd und Amin), die im Körper
leicht umgewandelt können.
Wirkungen:
Vitamin B6 ist erforderlich für den Aminosäurestoffwechsel. Es ist
ein wichtiger Baustein von Coenzymen.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Mangelerscheinungen sind sehr selten, treten sie doch auf, so äußern sie sich
durch Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz, entzündete Mundschleimhaut und
trockene Haut.
Überschuss (Hypervitaminose):
"Ameisenlaufen" sowie brennende Schmerzen in Armen und Beinen und
Unsicherheit beim Gehen können auf einen Überschuss hinweisen.
Frauen, die die "Pille" einnehmen, mangelt es manchmal an Vitamin B6. Auch Kraftsportler haben einen erhöhten Bedarf an diesem Vitamin.
Vitamin B12 (Cobalamin oder Cyanocobalamin)
Sammelbezeichnung für eine Reihe ähnlicher Verbindungen, die immer Kobalt
beinhalten. Es ist wasserlöslich. Es wird von Mikroorganismen (Darmbakterien
des Dickdarmes von Mensch und Tier) gebildet.
Wirkungen:
Cobalamin ist wichtig für den Aufbau der roten Blutkörperchen.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Widerwillen gegen Fleisch und eine "brennende" Zunge oder Bläschen
auf der Zunge sind Anzeichen für einen Mangel an Vitamin B12. Alle
Symptome einer Blutarmut wie Müdigkeit, Schwindel, Herzschwäche können
ebenfalls auf einen Mangel an Vitamin B12 hinweisen. Eine
Mangelerscheinung kann auftreten durch Magen- und Darmerkrankungen, Infektionen,
Pankreatitis und Bandwürmer.
Überschuss (Hypervitaminose):
Bisher nicht bekannt.
Vitamin C
(Ascorbinsäure)
Ascorbinsäure ist eine wasserlösliche, hitzestabile Säure, die jedoch
durch Oxydation zerstört wird (z.B. bei zu langer Lagerung von Nahrungsmitteln
an Luft). Die Linse des menschlichen Auges enthält ungewöhnlich viel Ascorbinsäure.
Wirkungen:
Die wichtigsten Aufgaben des Vitamin C sind die Steuerung der Zellatmung, die
Steigerung der Abwehrbereitschaft des Körpers und die Förderung der Aufnahme
von Eisen. Vitamin C ist auch notwendig für die Bildung von Bindegeweben. Im
Auge hat Vitamin C die Aufgabe das komplette Auge gegen freie Radikale zu schützen,
die unter anderem durch UV-Licht entstehen.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Hautbluten, besonders am Zahnfleisch (Skorbut), schlechte Wundheilung und
Blutarmut deuten auf Vitamin-C-Mangel hin. Aufgrund von unterschiedlichen
Studien vermutet man, dass Veränderungen durch freie Radikale mitverantwortlich
sind für den Grauen Star (Katarakt).
Überschuss (Hypervitaminose):
Anzeichen eines Überschusses an Vitamin C sind Durchfall,
Verdauungsbeschwerden, Bildung von Nierensteinen.
Raucher haben einen drei mal so hohen Vitamin-C-Bedarf wie Nichtraucher. Durch das Nicotin wird der Organismus gehindert Vitamin C aufzunehmen.
Vitamin D (Calciferole)
Calciferole sind fettlösliche Substanzen. Die beiden wichtigsten Calciferole
sind Ergocalciferol (Vitamin D2) und Colecalciferol (Vitamin D3).
Da diese Stoffe aus den Provitaminen im Körper hergestellt werden können,
sind sie eigentlich nicht den Vitaminen zuzuordnen.
Wirkungen:
Vitamin D wird auch als das "Knochenvitamin"
bezeichnet, da es den Einbau von Kalzium, Phosphor und anderen Mineralien
in den Knochen steuert. Dadurch leistet es einen wichtigen Beitrag zur
Festigkeit und Belastbarkeit des Skeletts. Da Vitamin D aus seinen Provitaminen
unter Einwirkung von UV-Licht gebildet wird, kann Sonnenmangel eine Vitamin-D-Aufnahme
verhindern.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Beim Kind: Unruhe, schlechter Schlaf, häufiges Schwitzen, schlaffe Muskeln. Es
kann eine Rachitis entstehen.
Beim Erwachsenen: Die Knochenmasse dünnt aus, die Knochen verbiegen sich
(Osteomalazie).
Überschuss (Hypervitaminose):
Ein Überschuss kann nur durch Medikamente entstehen. Auch Lebertran ist ein
Medikament. Anzeichen dafür sind: Starker Durst, häufiges Wasserlassen,
Kopfschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Brechreiz, Durchfall und Fieber. Im
fortgeschrittenen Stadium kann es zu Nierensteinen, Ablagerungen in den
Blutgefäßen und Knochenveränderungen kommen.
Vitamin E (α-Tocopherole)
Als Vitamin E wird eine Gruppe von Stoffen bezeichnet, die außer dem
α-Tokopherol noch 6 andere Tocopherole umfasst. Tocopherole sind
hitzestabil und kommen hauptsächlich in Pflanzenölen vor. Das Vitamin E zählt
zu den Antioxidantien. Von den drei Vitaminen dieser Gruppe scheint es die stärkste
Wirkung zu haben. So soll eine regelmäßige Zufuhr von Vitamin E (bis zur
20-fachen Menge der empfohlenen Tagesdosis) die Gefahr einen Herzinfarkt zu
erleiden erheblich verringern. Man nimmt an, dass Vitamin E die Ansammlung von
Cholesterin in den Arterien verhindert. Ferner regt es die Bildung neuer
Kapillargefäße an.
Wirkungen:
Tocopherole sind notwendig, um Substanzen die die Zellen schädigen können
umwandeln zu können. Es stellt einen Oxidationsschutz bei ungesättigten Fettsäuren
dar.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Es ist kein sicheres Mangelsymptom bekannt. Möglicherweise ist Vitamin-E-Mangel
an Muskelschwund und an Veränderungen der roten Blutkörperchen mit beteiligt.
Überschuss (Hypervitaminose):
Nicht bekannt.
Vitamin F (veraltete Bezeichnung für ungesättigte
Fettsäuren)
Auch die ungesättigten Fettsäuren können im Körper nicht synthetisiert
werden und müssen daher mit der Nahrung aufgenommen werden. Zu nennen sind die
Linolsäure, die Linolensäure und die Arachidonsäure.
Wirkungen:
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind für den Stoffwechsel in den
Körperzellen und den Fettstoffwechsel von Bedeutung. Ferner wirkt es
Hautentzündungen entgegen und hilft bei der Produktion weiblicher Hormone.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Der durch fettfreie Ernährung (z.B. bei intravenöser Ernährung) oder durch
Alkohol- und/oder Nikotinabusus verursachte Mangel kann Hautveränderungen
hervorrufen. Er kann auch als Folge das
Prämenstruelle Syndrom verursachen, welches sich durch Brustschmerzen,
Schwellungen, Wasseransammlungen, Nervosität, und depressive Befindlichkeit
bemerkbar macht.
Überschuss (Hypervitaminose):
Kommt praktisch nicht vor.
Vitamin G (veraltete Bezeichnung für Riboflavin)
Riboflavin ist Bestandteil der wasserstoffübertragenden Coenzyme
Flavinmononukleotid (FMN) und Flavinadenindinukleotid (FAD).
Der Wirkstoff Riboflavin ist vor allem unter der Bezeichnung Vitamin B2
bekannt. Der Körper benötigt dieses Vitamin für Zellbildung und Zellwachstum.
Wer intensiver Sport treibt, benötigt deutlich höhere Mengen. Neben einer überlegten
Nahrungszusammensetzung kann ein Bierhefe-Zusatzprodukt einem Mangel vorbeugen.
Siehe auch Vitamin B2.
Wirkungen:
Eine positive Wirkung durch Zusatzgabe von B2 ist bei Stimmungsschwankungen oder
auch Migräne erzielt worden. Gute Erfolge durch Vitamin B2 sind bei
wiederholt auftretenden Reizungen im Mundfeld und Rachenraum zu erwarten. Wer
beispielsweise häufiger unter eingerissenen Mundwinkeln leidet, sollte es
einmal mit einem hochdosierten B2-Produkt versuchen. Riboflavin wird gegen
Vitaminmangelerscheinungen eingesetzt, zeigt sich im Tierversuch als wachstumsfördernd
und dient als Lebensmittelfarbstoff
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Bei Mangelerscheinungen können im Kindesalter Wachstumsstörungen auftreten.
Bei Erwachsenen werden körpereigene Steuerungsmechanismen durch B2 unterstützt,
besonders im hormonellen Bereich.
Überschuss (Hypervitaminose):
Nicht bekannt
Vitamin H (veraltete Bezeichnung für Biotin)
Dieses Vitamin wird von der Mikroflora im Darm selbst gebildet. Es ist wasserlöslich.
Biotin spielt eine Rolle beim Wachstum und der Erhaltung von Blutzellen, Talgdrüsen,
Nervengewebe, Haut und Haar.
Wirkungen:
Wichtig bei der Synthese von Kohlehydraten und Fettsäuren.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Nicht bekannt. Der Verzehr größerer Mengen roher Eier kann zu einer
Unterversorgung von Biotin führen. Symptome hierfür können sein: Übelkeit,
Appetitlosigkeit sowie Muskelschmerzen.
Überschuss (Hypervitaminose):
Nicht bekannt.
Vitamin K (Phyllochinone)
Das fettlösliche Vitamin K ist essentiell für die Blutgerinnung, denn
es ist Voraussetzung für die normale Prothrombinbildung in der Leber. Vitamin K
ist hitzestabil.
Wirkungen:
Vitamin K ist für die Blutgerinnung unerlässlich.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Da Vitamin K von der Darmflora synthetisiert werden kann, kommt ein Mangel
praktisch nicht vor, es sei denn, es liegt eine Magen-Darm-Störung, ein
Gallestau (Störung der Fettverdauung und der fettlöslichen Vitamine) oder eine
Schädigung der Vitamin K produzierenden Darmflora vor. Letzteres kann z.B. eine
Folge der Antibiotikatherapie sein. Durch einen bestehenden Mangel ist die
normale Blutgerinnung herabgesetzt, hierdurch kann es zu blauen Flecken und zu häufigem
Nasenbluten kommen.
Überschuss (Hypervitaminose):
Nicht bekannt.
Vitamin M (veraltete Bezeichnung für Folsäuren, siehe auch Vitamin B2)
Folsäure (folium = das Blatt) ist ein wasserlösliches hitzelabiles Vitamin, das vor allem in grünem Blattgemüse vorkommt. Ein Mangel an Eisen sowie Vitamin B12 beeinträchtigt die Speicherung von Folsäure.
Wirkungen:
Die Aufgabe der Folsäuren besteht in der Übertragung von Kohlenstoff-Einheiten
bei zahlreichen, wichtigen Synthesereaktionen. Auch die Folsäure ist für die
Bildung der roten Blutkörperchen erforderlich.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Ein Mangel an Folsäure kann zur Anämie führen. Schwere Darmerkrankungen können
die Aufnahme des Vitamins behindern. Einige Medikamente wie sie z.B. Krebs- und
Rheumakranke bekommen, tun dies ebenfalls.
Überschuss (Hypervitaminose):
Ein Überschuss kann praktisch nur durch künstliche Zufuhr entstehen. Es
können Magen- Darmbeschwerden auftreten.
Vitamin PP (Niacin, Nicotinsäure)
Nicotinsäure, auch Antipellagra-Vitamin oder Vitamin B5 genannt, ist
beteiligt an der Synthese von NAD.
Wirkungen:
Vitamin PP erweitert die Gefäße und steigert die Hautdurchblutung
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose):
Niacinmangel kann auftreten, wenn Sie kein Fleisch (Vegetarier) oder Brot essen.
Anzeichen dafür sind: Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Magenschmerzen und Durchfall. Weitere Anzeichen können sein: Sonnenbrandähnliche
Hautveränderungen, schuppende, gerötete, raue oder entzündete Haut.
Überschuss (Hypervitaminose):
Überschuss kennzeichnet sich durch trockene, gerötete Haut, Haarausfall,
Juckreiz, Durchfall, Erbrechen und Leberschäden.